Niederalteicher Perspektiven: Podiumsdiskussion zur Agrarpolitik

Veröffentlicht am 26.04.2010 in Landwirtschaft & Forsten

Schwere Suche nach richtigem Weg
Die künftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik nach 2013 war das Thema einer Podiumsdiskussion in der Landvolkshochschule Niederalteich. Unter Leitung Ludwig Grubers (Bayerischer Rundfunk)
diskutierten Albert Füracker (CSU), Vorsitzender des Agrarausschusses
im Bayerischen Landtag; Hans Wimberger, Ökosoziales Forum Niederalteich und Biobauer; BBV-Bezirkschef Walter Heidl; MdL Adi Sprinkart (Grüne), stellvertretender Vorsitzender im Agrarausschuss, sowie Annette Karl (SPD), Mitglied im Agrarausschuss des Bayerischen
Landtags.

Allerdings waren während und im Anschluss an die Veranstaltung einige Besucher im Saal, vornehmlich Landwirte aus der Region, offensichtlich der Ansicht, die Teilnehmer auf dem Podium hätten das Thema verfehlt. Man habe „hier nur so eine Art Lagebericht vorgesetzt
bekommen“. Was man vermisse, so die echauffierten Bauern, das seien „Visionen“, wie es weitergehe, wie der bäuerliche Betrieb
der Zukunft aussehen solle.
Was auch immer dieser wiederholt in den Saal gerufene Begriff des „Visionären“ beinhalten mochte, ob Hoffnung auf wundersame Öffnung einer „kreativen“ Lebens-Lösung oder nur auf simple staatliche Protektion oder ob er denn als leeres Schlagwort vor dem Hintergrund
bloßer Hilfl osigkeit gebraucht wurde, sei dahingestellt. Eines war offensichtlich: Die kleinen und die mittelständischen Bauern fürchten die Agrarindustrie als ein ihre eigene Existenz vernichtendes Instrument: „Sie argumentieren immer nur mit dem freien Markt, Sie drücken die Preise in den Keller“, so ein Landwirt an die Adresse Fürackers.
Der hingegen bekräftigte wiederholt, dass er die Konditionen des Instrumentariums aus Eisenmanns Zeiten nicht wieder herbeizaubern könne, sprach von einem „Wunschgemälde“. „Wir machen heute in der Politik keine Preise. Wir können das überhaupt nicht mehr“. Viele miteinander verflochtene, aber einander ebenso bekämpfende Positionen beherrschten Podium und Saal. Denn wie sind weltweite Gerechtigkeit, global verantwortliches Denken und Handeln mit dem angsterfüllten Streben nach Schutz der heimischen Landwirtschaft zu vereinbaren?
„Da Bua möcht’ scho weitermacha“, befand ratlos der eine oder andere sich zu Wort meldende Landwirt, doch sehe man keinerlei Zukunftsperspektive. Jedenfalls schienen nicht alle so zufrieden wie Annette Karl auf dem Podium, die es am Ende „sehr positiv“ befand, „wie sachorientiert wir hier heute diskutiert haben“. Freilich blieb es dennoch nicht aus, dass partei bzw. verbandspolitische Spannungen die Diskussion nicht nur befruchteten.

Versöhnung mit der Ökologie
So befand Füracker, dass es nicht zuletzt daher so schwer geworden sei, Agrarpolitik zu machen, weil „die Bauern ein vielstimmiger Chor geworden“ seien, während Sprinkart gerade „diese Vielstimmigkeit“ überaus begrüßte, da man die geradezu brauche: „50 Milliarden der
EU, die in die Landwirtschaft fließen“, so der streitbare Biobauer
aus dem Allgäu, sollte man halten; die Mittel aber sollten anders verteilt werden: „Die Art und Weise, wie man Geflügel, wie man Schweine mästet kann doch kaum „gesellschaftlich gewollt sein.“ Auch Hans Wimberger vom ökosozialen Forum Niederalteich war als Biobauer enttäuscht von der nur bedingten Resonanz und Akzeptanz
des Bauernverbandes hinsichtlich seiner Vorstellungen von „Nachhaltigkeit“. Seiner Ansicht nach benötige die „heutige Zeit
die Versöhnung mit der Ökologie“, welche man nicht länger als Hemmschuh verstehen und empfinden dürfe. Schon wieder, so Wimberger, seien die Laufzeiten der Kernenergie in der Diskussion. Dabei komme dem Energiesparen, den nachhaltigen Systemen, die absolute Priorität zu. Dass darüber hinaus die in der Landwirtschaft erbrachten Leistungen adäquat zu honorieren seien, meinte nicht nur Wimberger („Die Arbeit in kleinen Strukturen sollte für den damit verbundenen größeren Aufwand belohnt werden und Ausgleichszahlungen gekoppelt sein an Gemeinwohlleistungen“), sondern auch Annette Karl, die sich gegen eine Landwirtschaft als „teures Hobby“ verwehrte, das nur durch mehrere Nebenjobs finanziert werden könne. Zu vielschichtig und unverzichtbar seien die Leistungen der Landwirte hinsichtlich der „Nahrungsmittelerzeugung, der Wertschöpfung aus dem Wald und nicht zuletzt hinsichtlich der Pflege und des Erhalts der Kulturlandschaft,“ meinte auch Heidl. Dass diese nicht etwa in Form diskreditierender Subventionen, sondern vielmehr entlohnend vergolten werden müssten, befand Annette Karl.
Der Gesellschaft gelte es, die Leistungen der Landwirtschaft zu vermitteln, bekräftigte Heidl. Doch habe man im Verlauf der Veranstaltung z.B. über die Pflege der – auch touristisch relevanten – Kulturlandschaft sehr wenige Worte verloren, gleichwohl schon allein von daher eine flächendeckende Landwirtschaft unverzichtbar sei, so der niederbayerische Bauernverbandschef.
Während Füracker, vielfach dem Vorwurf ausgesetzt, die kleine und mittelständische Landwirtschaft hinter den „Agrarfabriken“ zurückzusetzen, sich dagegen verwahrte, dass die größeren Einheiten automatisch geringere Qualität lieferten, machte er sich dafür stark, den „weltweiten Spekulationen“, etwa bezüglich des Weizens, entgegen zu wirken. „Wir müssen uns innerhalb Deutschlands so verständigen, dass wir Gewicht haben in Europa.“
Den Strukturwandel wegzudiskutieren, so Heidl, gehe „an der Realität vorbei“. Er sei kein Anhänger von Zielvorgaben, sondern wolle die jeweils besonderen Situationen bäuerlicher Betriebe berücksichtigen, und „Produktionen höheren Standards gehen auch mit höheren Kosten einher“.

Zum Foto: Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.): MdL Adi Sprinkart, Grüne, Hans Wimberger, Ökosoziales
Forum Niederalteich, Moderator Ludwig Gruber, Bayerischer Rundfunk, Annette Karl, SPD, Walter
Heidl, Präsident des Niederbayerischen Bauernverbandes, Albert Füracker, CSU. Foto: Pletter

Autorin: Marita Pletter
Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch das Passauer Bistumsblatt

 
 

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