Annette Karl sammelte 2300 Unterschriften für Barrierefreiheit am Bahnhof Weiden - aber es nutze nichts

Veröffentlicht am 23.02.2018 in Presse

Große Probleme bei der Barrierefreiheit am Bahnhof Weiden (Bild: gsb, Onetz)

Das Gepäckband am Bahnhof ist kaputt. Doch das ist nicht das einzige Problem bei der Barrierefreiheit. Trotz Protesten geht bei der Eigentümerin "DB Station" nichts vorwärts.

Es ist eine interessante Antwort, die die Pressestelle der Deutschen Bahn AG herausgibt. Auf die Frage, wie gehbehinderte Fahrgäste und Senioren ihr Gepäck transportieren sollen, wenn das Gepäckband kaputt ist, antwortet der Konzern: "Ein Transport ist nur über die Treppenanlagen möglich." Die Gepäckbänder, die neben der Treppe angebracht sind und automatisch schwere Koffer nach oben und unten befördern, wurden 1997 eingebaut. Das Band, das von Gleis 1 in den Tunnel und somit auf alle anderen Gleise führt, ist seit einigen Wochen nicht nur kaputt, sondern gänzlich ausgebaut. Es sei bei einer Fachfirma und werde repariert, meldet die Pressestelle. Wann es wieder funktioniert, sei unklar. "So bald wie möglich", heißt es.

"Das stimmt mich alles sehr traurig", sagt der Behindertenbeauftragte der Stadt, Alexander Grundler, als er Bahnhof und Barrierefreiheit in einem Satz hört. Seit seinem Amtsantritt 2007 beschäftige er sich mit dem Thema - erfolglos. Barrierefrei ist im Bahnhof nur Gleis 1, alle anderen Gleise sind nur über Treppen zu erreichen. Will er als Rollstuhlfahrer mit der Bahn reisen, muss er das mindestens 48 Stunden vor Reiseantritt bei der Mobilitätsservice-Zentrale anmelden. Doch selbst dieser Service stehe nur zwischen 6 und 22 Uhr zur Verfügung. "Wenn jemand zum Beispiel in der Früh zur Arbeit pendeln oder spontan reisen will, geht das einfach nicht." Bei zu vielen Anfragen kann es auch sein, dass der beauftragte Dienstleister, das Bayerische Rote Kreuz, die Anfrage ablehnen muss. Außerdem kostet der Anruf bei der Mobilitätszentrale 20 Cent aus dem Festnetz und 60 Cent aus dem Mobilfunk.

Dieser ungenügende Service liege jedoch nicht an der Stadt: "Hier sind wir uns einig." 2015 bezeichnete Oberbürgermeister Kurt Seggewiß die ungenügende Barrierefreiheit im Bahnhof als "Achillesferse". Auch zahlreiche Vertreter der Bundes- und Landespolitik waren in Weiden vor Ort, Verbände wie der VdK machten Kampagnen, Landtagsabgeordnete Annette Karl sammelte 2300 Unterschriften für eine Petition. "Doch das alles nützt nichts", sagt Grundler. Das Bahnhofsgebäude gehört der DB Station und Service, sie entscheidet über Aus- und Umbauten. "Doch auch dem Bund als Anteilseigner gelingt es nicht, auf politischer Ebene auf den Konzern einzuwirken", stellt Grundler fest.

Zwar gebe es immer wieder Signale, dass es Planungen gebe. Aber bis jetzt habe sich nichts bewegt. Auch die DB-Pressestelle macht da keine Hoffnungen: "Derzeit gibt es mittelfristig keine Planungen für einen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Weiden." Im Zuge der Elektrifizierung der Strecke hofft Grundler, dass sich etwas bewegt. Doch wann und ob, sei ungewiss. "Die lassen uns am langen Arm verhungern."

 

(Quelle: Der Neue Tag vom 22.02.2018; Beate-Josefine Luber)

 
 

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