Bahn AG nimmt Stellung nach massiven Beschwerden

Presse

Nachdem "Der Neue Tag" in seinem Artikel vom 30.01.2010 die massiven Beschwerden der Bahnnutzer auf der Strecke Weiden-Nürnberg öffentlich gemacht hatte, hatte MdL Annette Karl die Bahn AG im Wirtschaftsausschuss um eine Stellungnahme gebeten.
Ich möchte diese Antwort dem interessierten Leser gerne zur Verfügung stellen:

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,
Herr Dr. Wengert hat in Ihrem Auftrag Hrn. Josel am 11.02. im Verkehrsausschuss des Landtags einen Artikel aus dem Neuen Tag Weiden mit dem Titel "Bahn hängt Pendler ab" gegeben, mit der Bitte, dazu Stellung zu nehmen. Dies will ich gern im Namen von Herrn Klaus-Dieter Josel tun.

Ich sehe in dem Artikel hauptsächlich zwei Kritikpunkte.
Der erste bezieht sich auf den Fahrplan selbst. Seit 21. Oktober 2009 fahren die Züge der Baureihe 612, die auch die Strecke nach Neustadt/WN bedienen, mit ausgeschalteter Neigetechnik. Anlass war ein Defekt an einer Spindel an einem der Fahrzeuge. In den Tagen nach unserer Entscheidung, die Neigetechnik abzuschalten, haben wir einen Ersatzfahrplan für die gesamte Region Oberfranken/Oberpfalz aufgestellt, der am 1. November in Kraft getreten ist.
Ziel dieses Ersatzfahrplans ist es, die unvermeidbaren Einschränkungen und Unannehmlichkeiten für unsere Fahrgäste zu minimieren – v.a. durch längere Fahrzeiten, die sich an den verringerten Geschwindigkeiten der Züge orientieren.

Dennoch: die durch den Ausfall der Neigetechnik verursachten längeren Fahrzeiten sind ärgerlich für unsere Kunden, erst recht, wenn sie zu verpassten Anschlüssen führen. Seit November drängt die DB beim Fahrzeughersteller auf eine schnelle und nachhaltige Lösung für das Neigetechnikproblem. Einen Terminplan konnte uns die Fahrzeugindustrie bis heute nicht nennen. Daher kann ich Ihnen leider noch keine Perspektive nennen. Da die Sicherheit der Kunden für die Bahn oberste Priorität hat, bleibt die Neigetechnik solange abgeschaltet, bis der Fahrzeughersteller die Fehlerursache abschließend geklärt und wirksame Schritte zur Behebung erarbeitet hat.

Die knappe Infrastruktur auf dieser Strecke macht es zusätzlich schwer, Verspätungen wieder aufzufangen: 51km der Gesamtstrecke zwischen Nürnberg und Weiden sind nur eingleisig ausgebaut. Die Deutsche Bahn prüft zur Zeit zusammen mit der BEG die Errichtung einer weiteren Zugbegegnungsmöglichkeit im Bf Vilseck auf dem eingleisigen Streckenabschnitt Neukirchen – Weiden.
Dadurch wären im Verspätungsfall zusätzliche Zugkreuzungen möglich; der Dominoeffekt von Verspätungen kann so spürbar gemildert, wenn auch nicht aufgehoben werden. Wenn die Untersuchungen positiv ausgehen, ist die Errichtung eines Begegnungsgleises 2010 möglich.

Der zweite Kritikpunkt ist die Information der Kunden in Nüprnberg Hbf über die Zielbahnhöfe der einzelnen, geflügelten Zugteile. Meines Erachtens zeigen die Zugzielanzeiger am Bahnhof Nürnberg diese Informationen - im Rahmen des zur Verfügung stehenden Platzes auf den Anzeigetafeln - gut und eindeutig an: Jede Anzeigetafel kann zwei Zugteile anzeigen, die mit "vorderer Zugteil" und "hinterer Zugteil" gekennzeichnet sind. Teilweise sind die Züge jedoch dreiteilig, dann fahren etwa die vorderen 2 Teile nach Weiden und der eine hintere nach Schwandorf. Eine derart detaillierte Anzeige bewältigt die Anzeigetafel am Bahnsteig nicht, hier muss der Kunde zusätzlich auf die Zuglaufschilder am Zug schauen, die vorn, hinten und auch seitlich am Zug angebracht sind.

Angesichts der Bestrebungen der BEG, weitere Flügelzugkonzepte auszuschreiben (im Extremfall soll ein und der selbe Zug am Abgangsbahnhof vier verschiedene Fahrtziele haben), sind wir bereits mit dem Hersteller der Zielanzeiger auf den Bahnsteigen im Gespräch - mit dem Ziel, auf Basis der vorhandenen Hardware - etwa über Laufschrift - mehr Informationen für den Kunden zu anzuzeigen.

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, ich hoffe Ihnen weitergeholfen zu haben.
Wenn Sie noch weitere Fragen zu dem Thema haben, können Sie sich jederzeit an mich wenden. Vielleicht sehen wir uns auch am kommenden Mittwoch beim "Dialog DB im Landtag".

Ingo Schüttke
Assistent des Konzernbevollmächtigten für den Freistaat Bayern (GL Bayern)

 
 

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